Kyoto – die alte Kaiserstadt mit tausend Tempeln
Wenn du dir vorstellst, wie das alte Japan mal ausgesehen hat, landest du gedanklich vermutlich in Kyoto. Über tausend Jahre lang war die Stadt am Fuß der grünen Berge die kaiserliche Hauptstadt, und das merkst du hier bis heute auf Schritt und Tritt. Du läufst durch enge Gassen mit dunklen Holzhäusern, vorbei an Tempeln und Schreinen, über knirschende Kieswege in stillen Zen-Gärten. Ein paar Minuten später stehst du dann wieder zwischen Cafés, Boutiquen und einem modernen Bahnhof aus Stahl und Glas. Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus. Über tausend buddhistische Tempel, hunderte Schreine und gleich mehrere UNESCO-Welterbestätten warten hier darauf, entdeckt zu werden. Im Frühling tauchen die Kirschblüten ganze Flussufer in zartes Rosa, im Herbst leuchten die Ahornblätter tiefrot. Dazwischen findest du Teehäuser, Geisha-Viertel und eine Küche, die das Auge genauso verwöhnt wie den Gaumen. Kyoto lässt sich wunderbar zu Fuß und mit dem Rad erkunden, ist gut an Osaka und Tokio angebunden und eignet sich perfekt für einen ruhigen, aber abwechslungsreichen Städtetrip. Pack also genug Neugier ein, denn diese Stadt belohnt jeden, der genauer hinschaut.
Ganz oben auf deiner Liste sollte der Fushimi-Inari-Schrein stehen: Tausende leuchtend orangerote Torii-Tore bilden hier einen Tunnel, der sich den heiligen Berg hinaufschlängelt. Mindestens genauso berühmt ist der Kinkaku-ji, der Goldene Pavillon, dessen vergoldete Fassade sich im Teich davor spiegelt. Im Westen lockt der Bambushain von Arashiyama, wo meterhohe Halme das Licht filtern; gleich nebenan thront der Tenryu-ji mit seinem prächtigen Garten. Für einen weiten Blick über die Stadt steigst du zum Kiyomizu-dera hinauf, einem Tempel auf hölzernen Stelzen am Hang. Wer das traditionelle Kyoto sucht, schlendert durchs Geisha-Viertel Gion mit seinen alten Teehäusern und erwischt vielleicht sogar eine flüchtige Begegnung mit einer Maiko. Auch der ehemalige Kaiserpalast und die mächtige Burg Nijo lohnen einen Besuch. Plan genug Zeit ein, denn jeder dieser Orte verdient mehr als nur einen kurzen Foto-Stopp.
Die schönsten Zeiten für Kyoto sind ganz klar Frühling und Herbst. Von Ende März bis Anfang April verwandelt die Kirschblüte die Stadt in ein rosa Meer, ein traumhaftes, aber eben auch sehr beliebtes Schauspiel. Im Oktober und November färbt sich das Ahornlaub feurig rot und golden, dazu ist das Wetter mild und ideal zum Wandern. Der Sommer von Juni bis August ist dagegen schwül und heiß, oft mit Regen und im Juni mit der Regenzeit. Der Winter bleibt meist trocken und kühl, gelegentlich fällt etwas Schnee, der die Tempel besonders stimmungsvoll aussehen lässt. Wenn du den Menschenmassen entgehen willst, sind die frühen Morgenstunden zur Hochsaison Gold wert.
Kyoto gilt als Wiege der feinen japanischen Küche. Das Aushängeschild ist Kaiseki, ein kunstvolles Mehrgang-Menü, das saisonale Zutaten in vielen kleinen Schälchen feiert. Probier unbedingt auch Yudofu, sanft gegarten Tofu, der hier eine lange Tradition hat. Für einen entspannten Bummel mit allerlei Kostproben ist der überdachte Nishiki-Markt ideal, Einheimische nennen ihn liebevoll die Küche Kyotos. Du magst Süßes? Dann führt kein Weg an Matcha vorbei, ob als Tee, Eis oder in feinem Wagashi-Konfekt. Wenn abends die Lampions angehen, zieht es dich in die schmale Gasse Pontocho am Fluss, wo sich Restaurants und Bars dicht an dicht reihen. Auch das Viertel Gion und die Gegend rund um den Bahnhof haben viele Lokale. Ein lokales Bier oder ein Becher Sake runden den Abend stilvoll ab.
Kyoto hat keinen eigenen Flughafen, du landest meist am internationalen Flughafen Kansai bei Osaka. Von dort bringt dich der Haruka-Express in gut 75 Minuten direkt zum Hauptbahnhof von Kyoto. Aus Tokio erreichst du die Stadt mit dem Shinkansen in rund zwei bis zweieinhalb Stunden, schnell, pünktlich und bequem. Vor Ort ist das Busnetz besonders dicht und verbindet die meisten Tempel, ergänzt von zwei U-Bahn-Linien und Vorortzügen. Eine wiederaufladbare IC-Karte wie ICOCA macht das Ein- und Aussteigen kinderleicht. Viele Sehenswürdigkeiten liegen aber so nah beieinander, dass du sie einfach zu Fuß genießen kannst. Weil Kyoto recht flach ist, eignet sich auch ein Leihfahrrad super, um zwischen den Vierteln zu pendeln und die Stadt nebenbei zu erleben.