
Marseille ist anders als das postkartenglatte Südfrankreich, das du vielleicht erwartest – und genau das macht den Reiz aus. Hier riecht es nach Salz, frischem Fisch und Pastis, hier treffen über 2.600 Jahre Geschichte auf einen Hafen, der seit der griechischen Gründung als Massalia nie zur Ruhe gekommen ist. Du spürst sofort, dass dies die älteste Stadt Frankreichs ist und gleichzeitig eine der buntesten: Menschen aus dem ganzen Mittelmeerraum prägen die Viertel, die Märkte und die Küche. Vom Alten Hafen, dem Vieux-Port, ziehen sich enge Gassen hinauf zum Panier-Viertel, während über allem die goldene Marienstatue der Basilika Notre-Dame de la Garde wacht. Im Westen schimmert das Meer, im Osten ragen die weißen Kalkfelsen der Calanques in den Himmel. Marseille ist laut, ungeschliffen und herzlich – eine Stadt, die sich nicht verstellt. Wer hier ein paar Tage bleibt, taucht in echtes mediterranes Leben ein: zwischen Bouillabaisse am Hafen, einem Sundowner in der Sonne und dem Klang von Boule-Kugeln auf staubigen Plätzen. Eine Stadt zum Erleben, nicht nur zum Ansehen.

Dein Ausgangspunkt ist der Vieux-Port, der quirlige Alte Hafen, wo morgens Fischer ihren Fang direkt am Kai verkaufen. Von hier führt der Weg hinauf zur Basilika Notre-Dame de la Garde – die thronende Wallfahrtskirche über der Stadt belohnt dich mit dem schönsten Rundumblick über Marseille und das Meer. Unbedingt ansehen solltest du dir das MuCEM, das markante Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers, das über einen filigranen Steg mit dem alten Fort Saint-Jean verbunden ist. Direkt nebenan liegt die Kathedrale La Major. Verliere dich anschließend im Panier, dem ältesten Viertel mit bunten Häuserfassaden, Street-Art und kleinen Boutiquen. Wer Le Corbusier mag, fährt zur Cité Radieuse, einem Ikonenbau der modernen Architektur. Vor der Küste lockt das Château d'If, die Festungsinsel aus dem Roman Der Graf von Monte Christo, erreichbar per Boot. Und mit etwas Zeit erkundest du den Nationalpark der Calanques mit seinen türkisfarbenen Buchten.

Marseille genießt ein mediterranes Klima mit sehr vielen Sonnenstunden – die Stadt gilt als eine der sonnigsten Frankreichs. Die angenehmsten Monate für einen Städtetrip sind Mai, Juni, September und Oktober: Dann ist es mild bis warm, ideal zum Bummeln, Wandern in den Calanques und für laue Abende am Hafen. Im Hochsommer von Juli bis August wird es heiß und touristisch voll, dafür lockt das Meer zum Baden. Der Winter ist mild, aber gelegentlich weht der Mistral, ein kalter, kräftiger Fallwind, der den Himmel jedoch strahlend blau bläst. Wenn du Hitze und Menschenmassen meiden möchtest, sind Frühling und Frühherbst die klügste Wahl.

Kulinarisch dreht sich in Marseille alles ums Meer. Das berühmteste Gericht ist die Bouillabaisse, ein üppiger Fischeintopf mit Rouille und geröstetem Brot, traditionell rund um den Vieux-Port serviert. Probier außerdem Panisse aus Kichererbsenmehl, frische Austern und die süßen, schiffchenförmigen Navette-Gebäcke. Als Aperitif gehört ein Glas Pastis dazu, mit Wasser auf Eis. Zum Schlendern und Essen eignen sich das Cours Julien mit seinen Bars und Street-Art-Wänden, das hippe Viertel Notre-Dame du Mont und die Gassen rund um den Hafen. Für Märkte lohnt sich der bunte Marché de Noailles, oft als Bauch von Marseille bezeichnet, mit Gewürzen und Spezialitäten aus aller Welt. Abends pulsiert das Leben in den Bars am Cours Julien und entlang der Quais, wo du den mediterranen Sommerabend bei einem Glas Rosé ausklingen lässt.

Marseille erreichst du bequem per Flugzeug über den Flughafen Marseille Provence in Marignane, rund 25 Kilometer nordwestlich der Stadt; ein Shuttlebus und Zugverbindungen bringen dich ins Zentrum. Sehr komfortabel ist auch die Anreise mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV: Der Bahnhof Saint-Charles liegt mitten in der Stadt. Vor Ort kommst du gut ohne Auto aus. Das Netz aus zwei Metrolinien, mehreren Straßenbahnlinien und vielen Bussen wird vom Verkehrsbetrieb RTM betrieben und deckt die wichtigsten Ziele ab. Das historische Zentrum rund um den Vieux-Port und das Panier erkundest du am besten zu Fuß, da die Gassen eng und teils steil sind. Für die Strecke zu den Calanques oder entlang der Küste bieten sich Busse oder Boote an. Leihräder ergänzen das Angebot, im hügeligen Gelände aber mit etwas Kondition.